Aufklärungspflicht zu den Risiken einer Schiffsfondsgesellschaft trotz vorheriger Beteiligung

In seiner Entscheidung vom 02.06.2016 setzt sich das OLG München als Berufungsinstanz mit der Frage auseinander, ob ein Anleger, der sich bereits an einem Schiffsfonds beteiligt hatte, bei einer weiteren Beteiligung aufklärungsbedürftig bleibt oder nicht.

Bettina Wittmann, Rechtsanwältin und Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht aus der Kanzlei Prof. Dr. Thieler & Wittmann Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, Passau, erklärt:

„Nach Meinung des OLG München entfällt die Aufklärungspflicht des Anlageberaters nicht deshalb, weil der Anleger bereits eine ähnliche Beteiligung (Schifffonds) gezeichnet hatte. Ein „Lerneffekt“ aufgrund einer bereits getätigten Anlage kann nur dann eintreten, wenn sich Angaben, Empfehlungen oder Hinweise des Beraters im Nachhinein als falsch herausgestellt haben“.

Im Streit stand eine Falschberatung, welche von der dortigen Anlegerin aus eigenem und aus abgetretenem Recht gegen den agierenden Anlageberater geltend gemacht worden war. Nach Meinung des OLG München als Berufungsinstanz berücksichtigte der agierende Berater den von der Anlegerin geäußerten Wunsch nach Kapitalerhalt und Sicherung der Altersvorsorge mit Empfehlung einer auch mit Totalverlustrisiken behafteten Schiffsfondsbeteiligung in Form der KG nicht. Das OLG München in der zitierten Entscheidung:

„Eine Aufklärung konnte entgegen der Ansicht der Beklagten auch nicht unterbleiben, da keine entsprechenden Vorkenntnisse der Klägerin nachgewiesen sind. Der Hinweis der Beklagte darauf, dass die Klägerin unstreitig bereits vor der gegenständigen Beteiligung vom 02.12.2005 eine Beteiligung an einem Schiffsfonds gezeichnet hatte führt nicht zu der Annahme, dass sich die Klägerin trotz unterlassener Aufklärung durch den Berater K. des Totalverlustrisikos und damit der Ungeeignetheit der Anlage für eine sichere Altersvorsorge bewusst war, zumal sie damals bei der Zuteilung nicht berücksichtigt wurde. Entgegen der Ansicht der Beklagten ist zudem nicht relevant, inwieweit in dem Prospekt eine hinreichende Aufklärung erfolgt ist, da der Berater K. die streitgegenständige Beteiligung an einem Schiffsfonds entgegen dem ausdrücklichen Anlageziel der Klägerin schon nicht hätte empfehlen dürfen“.

Bettina Wittmann in ihrer Stellungnahme weiter:

„Aktuell hatte sich auch das OLG Düsseldorf mit der Frage um die Aufklärung bei sog. „Wiederholungstätern“ auseinandergesetzt. So spielt es durchaus eine Rolle, ob ein Anleger mehrfach Beteiligungen in der Vergangenheit gezeichnet hat oder sich im Vertrauen auf die Erstberatung seines Beraters dazu entschließt, eine weitere Geldanlage zu zeichnen“.

Die Frage um eine pflichtwidrige Anlageberatung beschäftigt Anlegeranwälte bei fehlgeschlagenen Schiffsfonds in ganz Deutschland. Angesichts zahlreicher Insolvenzen bei fehlgeschlagenen Schiffsfondsbeteiligungen wird vermehrt die Frage nach einer ordnungsgemäßen Anlageberatung bei betroffenen Anlegern gestellt. Gerade bei Nachricht um die Insolvenzantragstellung über das Vermögen der Fondsgesellschaft sollten betroffene Anleger sich fachkundig beraten lassen, auch zur Frage einer möglichen Verjährung ihrer Ersatzansprüche.

Weitere Informationen unter info@rechtsberatung-passau.de.

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