Captura GmbH - Unternehmerische Beteiligung mit Kapitalverlustrisiko stellt keine zur Altersvorsorge geeignete Kapitalanlage dar

Viele Anleger dürften es für einen üblichen Scherz gehalten haben, als ihnen Ende des Jahres 2015 die Nachricht um die Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen der Captura GmbH mitgeteilt wurde.

 

So sollte gerade diese Unternehmensbeteiligung durch das Treuhandverhältnis sicher sein, auch der Kanzlei Prof. Dr. Thieler & Wittmann Rechtsanwaltsgesellschaft mbH vorliegende Treuhand- und Verwaltungsvertrag ausdrücklich von einer Sicherstellung der Gelder aufgrund einer der „vertragsgerechten Mittelverwendung“ spricht.

 

Bettina Wittmann aus der Kanzlei Prof. Dr. Thieler & Wittmann GmbH und Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht lässt allerdings darauf hinweisen, dass in zahlreichen, ihr bekannt gewordenen Fällen von einer Anlagefalschberatung oder unterlassenen Aufklärung der Anleger auszugehen ist.

 

Rechtsanwältin Bettina Wittmann empfiehlt betroffenen Anlegern eine grundsätzlich fachkundige Prüfung bestehender Handlungsoptionen, zumal derzeit mit Nichten vorhersehbar ist, ob und inwieweit die betroffenen Anleger Zahlungen aus dem anhängigen Insolvenzverfahren erhalten werden.

 

Mit seiner Entscheidung vom 09.06.2016 ließ der dort erkennende Senat des OLG München darauf hinweisen, dass eine Anlagefalschberatung vorliegt, wenn einziges Ziel des Anlegers die private Altersvorsorge ist und diesem Anleger sodann eine unternehmerische Beteiligung mit Kapitalverlustrisiken zur Zeichnung empfohlen wird.

 

„Einem Anleger, der nachweisen kann, dass sein einziges Anlageziel die private Altersvorsorge ist und der zwecks Investition in die sodann empfohlene Geldanlage bestehende Lebensversicherungen / Bausparverträge / Rentenversicherungsverträge auflösen lässt, dürfen keine Geldanlagen zur Zeichnung empfohlen werden, die mit Totalverlustrisiken behaftet sind. Wenn also ein Anleger ausdrücklich eine zur Altersvorsorge geeignete Kapitalanlage will, liegt ein Beratungsfehler vor, wenn der Berater diesem Anleger die Beteiligung an einem Anlagemodel empfiehlt, bei welchem es zu einem Totalausfall des eingesetzten Kapitals kommen kann.

 

Das von den agierenden Beratern als sicher bezeichnete partiarische Darlehen stellt eine sogar hoch spekulative Unternehmensbeteiligung dar.

 

Bei partiarischen Darlehen überlassen die Anleger dem Anbieter Kapital für einen bestimmten Zweck und bekommen dafür einen Anteil am Gewinn. Dies ist die partiarische Komponente des Darlehens, die vom erwirtschafteten Gewinn abhängt. Außerdem sahen die Verträge bei der Captura GmbH eine Verzinsung vor.

 

Ein Anleger, der einem Unternehmen ein Darlehen gibt, ist an diesem nicht als Gesellschafter beteiligt. Er hat also keinen Einfluss auf die Geschäfte und auch keinen ausreichenden Einblick in die Geschäftsentwicklung des Unternehmens. Diese Intransparenz stellt für den Anleger ein enormes Risiko dar. Er spekuliert auf das wirtschaftliche Überleben des Unternehmens, ohne dass ihm die Informations- und Kontrollrechte eines Gesellschafters zustünden. Anleger sollten sich durch die versprochenen Erträge daher nicht blenden lassen, sondern müssen vorsichtig sein. Nur wer den Verlust des eingesetzten Kapitals tragen kann, sollte überhaupt in solche Anlagen Geld investieren.

 

Deswegen hätte in den Darlehensverträgen selbst der unmissverständliche Hinweis gelistet sein müssen, dass der partiarische Darlehensgeber mit seinem eingezahlten Kapital an dem unternehmerischen Geschäftsrisiko bis hin zum möglichen Totalverlust seines Kapitals teilnimmt.

 

Gerade für Anleger ohne Erfahrung in Fragen der Unternehmensfinanzierung oder des Insolvenzrechts hätte dieser Punkt auch von den Beratern hinreichend deutlich gemacht werden müssen, was unseres Erachtens tatsächlich nicht der Fall war; im Gegenteil: Mündlich wurden Risiken sogar noch verharmlost.

 

Rechtsanwältin Bettina Wittmann empfiehlt daher allen Anlegern, die an der zwischenzeitlich insolventen Captura GmbH beteiligt sind, mögliche Schadensersatzansprüche prüfen zu lassen, wobei die Kanzlei Prof. Dr. Thieler & Wittmann GmbH betroffenen Anlegern eine grundsätzliche Erstbewertung möglicher Schadensersatzansprüche anbietet.

 

Info unter info@rechtsberatung-passau.de.

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