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Derivest GmbH - Handlungsoptionen für Betroffene

Nachdem Herr Markus Fürst mit Schreiben vom 30.08.2019 in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer der Derivest GmbH beim Insolvenzgericht in Hof Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt hatte, was das Amtsgericht Hof auch am 07.11.2019 veranlasst hatte, bangen geschädigte Anleger um ihr Geld.

Nunmehr müssen sie auch zur Kenntnis nehmen, dass ihnen vom Insolvenzverwalter über das Vermögen der Derivest GmbH, Herrn Rechtsanwalt Dr. Hans-Peter Lehner, vorgehalten wird, sie hätten bereits in 2017 gewusst, dass die Zahlungsunfähigkeit der Derivest GmbH droht.

Rechtsanwältin und Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht Bettina Wittmann, welche zahlreiche Geschädigte der Derivest GmbH anwaltlich vertritt, erklärt:

„Ein Nachrangdarlehen zeichnet sich gegenüber anderen Darlehen dadurch aus, dass im Falle einer Liquidation oder eines Insolvenzverfahrens über das Vermögen der Darlehensnehmerin zunächst andere, vorrangige, Gläubiger zu befriedigen sind und der Nachrangdarlehensgeber erst anschließend – also nachrangig – befriedigt wird.

Bei qualifiziert nachrangigen Darlehen übernimmt der Anleger als Darlehensgeber Finanzierungsverantwortung für das darlehensnehmende Unternehmen, indem er seine Ansprüche aus dem Vertrag über das allgemeine Insolvenzrisiko hinaus solange und soweit nicht geltend machen kann, solange dies einen Grund für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens darstellt. Die Forderung des Darlehensnehmers wird erst nach Befriedigung sämtlicher anderer Gläubiger der Gesellschaft beglichen“.

Die Nachrangdarlehen der Derivest GmbH waren in der Regel so gestaltet, dass zunächst eine Einmalzahlung des Anlegers / Darlehensgebers zu erfolgen hatte, welcher dann weitere monatliche Zahlungen auf das Nachrangdarlehen in Form eines sog. Anlageplans erfolgen sollten.

Nach Abschluss des Vertrages, Einzahlung der Einmalzahlung und Aufnahme der monatlichen Ratenzahlungen, erhielten die Anleger der Schuldnerin von dieser sog. Darlehensregisterauszüge, in welchen die Einzahlungen angegeben wurden und in denen der zum jeweiligen Bewertungsstichtag bestehende rechnerische Zinsanspruch ausgewiesen war.

„Unserer Meinung nach ist die in § 8 eines Nachrangdarlehensvertrages zwischen einem Anleger und der Derivest GmbH vereinbarte qualifizierte Rangrücktritt unwirksam. Dies ermöglicht unseres Erachtens Schadensersatzansprüche gegen die agierenden Anlageberater / Anlagevermittler, wenn diese die Bedeutung um die qualifizierte Rangrücktrittsklausel nicht richtig erklärt hat, berufen sich die Anlageberater / Anlagevermittler sodann auf die angeblich rechtlich richtige Erklärung anlässlich der Formulierung im Darlehensvertrag und ist die dortige Erklärung nicht richtig, so können Schadensersatzansprüche eröffnet sein“, so Rechtsanwältin Bettina Wittmann in ihrer Stellungnahme weiter, welche auch darauf hinweist, dass Presseberichten zufolge der Insolvenzverwalter infolge der angeblichen Kenntnis der Anleger um die Zahlungsunfähigkeit der Derivest GmbH seit 2017 zwischenzeitlich geleistete Zinszahlungen auch zurückfordert.

Die Wittmann Rechtsanwaltsgesellschaft mbH aus Passau rät betroffenen Anlegern grundsätzlich an, mögliche Schreiben des Insolvenzverwalters nicht unbeantwortet zu lassen. Aufgrund der nach hiesiger Rechtsmeinung unwirksamen Rangrücktrittsklausel haben Anleger gute Chancen, sich bei fehlerhafter Anlageberatung gegen den agierenden Berater zur Wehr zu setzen und den aus dem Investment erlittenen Schaden geltend zu machen.

Rechtsanwältin Bettina Wittmann ist als Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht seit vielen Jahren auf das Themengebiet des Kapitalanlagerechts spezialisiert und vertritt betroffene Anleger bundesweit im vor- bzw. im gerichtlichen Verfahren.

Weitere Informationen unter info@rechtsberatung-passau.de.

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