Lombard Classic 3 KG - LG Essen verurteilt Anlageberater zu Schadensersatz

Eine mündliche Verharmlosung der Risiken und damit letztendlich eine Täuschung der Kunden hat das Landgericht Essen aktuell in zwei Entscheidungen vom Juni 2018 bejaht und der Klage der Anleger gegen den Anlageberater auf Zahlung von Schadensersatz stattgegeben.

Dies berichtet Rechtsanwältin und Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht, Frau Bettina Wittmann aus der Kanzlei Prof. Dr. Thieler & Wittmann Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, Passau:

„In den von unserer Kanzlei geführten Rechtstreitigkeiten müssen wir leider immer wieder feststellen, dass die mündlichen Angaben der agierenden Anlageberater diametral zur Darstellung in den Fondsprospekten steht. Dass indes auch die Risikoverharmlosung, also das Verschweigen der tatsächlich vorhandenen Risiken, eine Anlagefalschberatung darstellen kann, hat aktuell das Landgericht Essen zur „Lombard 3 KG“ in seinen Entscheidungen vom Juni 2018 bejaht. Hiernach können die klagenden Anleger vom agierenden Anlageberater Schadensersatz verlangen, weil nach Zeugeneinvernahme nach der Überzeugung des Gerichts feststeht, dass der agierende Berater die tatsächlich bestehenden Risiken bewusst im Beratungsgespräch den Klägern gegenüber verharmlost bzw. kleingeredet hat“.

Wie bereits berichtet investierten private Kapitalanleger mit den Lombard Classic Fonds in das sog. Lombard Kreditgeschäft, in dem die Anlagebeträge dazu genutzt wurden, eine Vielzahl von sog. Lombard-Krediten an verschiedene Kunden zu gewähren. Als Sicherheit für die jeweiligen Darlehen wurden insbesondere Wertgegenstände durch die Kreditnehmer hinterlegt. Die Vergabe und Abwicklung der Einzelkredite erfolgte über ein Hanseatisches Lombard-Haus namens Lombardium Hamburg GmbH & Co. KG. Die Fondsbeteiligungen sollten eine feste Laufzeit von drei Jahren haben. Nachdem die Lombard Classic 3 GmbH & Co. KG Ausschüttungen nur bis August 2015 leistete, blieb die für Ende November 2015 angekündigte vierteljährliche Auszahlung ebenso aus wie die nach drei Jahren vorgesehene Kapitalrückzahlung der Beteiligungen an die Anleger.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gab der Lombardium am 04.12.2015 auf, das unerlaubt betriebene Kreditgeschäft im Hinblick auf die Beleihung von Inhaber-Grundschuldbriefen und Inhaberaktien sofort einzustellen und die Darlehensverträge zügig abzuwickeln.

Daraufhin ließ das beteiligte Emissionshaus Fidentium das vorläufige Insolvenzverfahren eröffnen; die Eröffnung des Insolvenzverfahrens selbst erfolgte am 17.12.2015. Nach einer Razzia der Hamburger Staatsanwaltschaft in den Räumen der Lombardium-Gruppe folgten Insolvenzanträge und die Anordnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens bzgl. der Lombard Classic 3 GmbH & Co. KG. Damit sehen sich die betroffenen Anleger einem Totalverlust entgegen.

„Die Darstellung um die tatsächlichen Beratungsinhalte ist in den Rechtstreitigkeiten zur Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen gegen die Anlageberater entscheidend. Oftmals werden den Kunden auch Dokumentationen überlassen, die mit Anmerkungen der Berater versehen sind und die zumindest einen Hinweis darauf geben können, dass die besprochene Anlage tatsächlich hinsichtlich der immanenten Risiken falsch dargestellt wird“, so Rechtsanwältin Bettina Wittmann aus der Kanzlei Prof. Dr. Thieler & Wittmann Rechtsanwaltsgesellschaft mbH weiter, welche betroffenen Anlegern eine grundsätzlich fachkundige Beratung durch einen auf das Fachgebiet des Bank- und Kapitalmarktrechts spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei anrät.

Weitere Informationen unter info@rechtsberatung-passau.de.

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